Julius-Motteler-Gymnasium Crimmitschau - Tschechien

Wie heißt  Schwibbogen auf Tschechisch?

Diese Frage stellten sich die Schüler und Lehrerinnen des Gymnasiums, als sie vom 5.-9.12.2011 in Crimmitschaus tschechischer Partnerstadt Bystrice weilten.
25 Schüler begleitet von 2 Lehrerin verlebten in dieser tschechischen Kleinstadt  eine Adventswoche voller beeindruckender Erlebnisse. Das Datum der Reise war so gewählt, dass es genau zum Thema Weihnachtsbräuche in beiden Ländern passte. Im Gepäck hatten die Crimmitschauer typische erzgebirgische Weihnachtssymbole wie Rächermänner, Schwibbogen, Pyramiden oder Bergmann und Engel in Leuchterform. Diese Gastgeschenke zieren nun den Eingangsbereich des dortigen Gymnasiums, einen komfortablen modernen Schulneubau.
Die Schüler aus den 9.Klassen wohnen bei Gastfamilien. Die Angst, sich nicht verständlich zu machen war schnell vergessen, man unterhielt sich deutsch, englisch oder einfach mit Händen und Füßen. Die Gastfreundschaft der Gastgeber war überwältigend, das Rückreisegepäck war voller Geschenke. Wichtiger schätzen die Schüler aber ein, neue Freunde kennen gelernt zu haben. Über Facebook wird der Kontakt weiterhin gehalten. Und 2013 kommen die Tschechen ja auch nach Crimmitschau.
Das  touristische Programm bot für jeden etwas, Stadtbesichtigung, Museen, Kirchen, die Märchenburg Pernstejn, Eislaufen, Kunstgewerbe usw. Interessant fanden Schüler aber auch das typische tschechische Dorf- und Familienleben kennen gelernt zu haben. Bescheidenheit und eine Orientierung auf menschliche Werte statt auf Statussymbole fiel vielen Schülern besonders auf.
Das Thema EU- Binnenmarkt und Globalisierung wurde auf besonders eindrucksvolle Art für die Jugendlichen verständlich, als die Schüler eine deutsche Firma besuchten, die ihre Schraubendreher-Produktion nach Bystrice verlagert hat. Das Lohnniveau liegt dort bei etwa 50%.
Schon  fast 40 Jahre gibt es die Städtepartnerschaft Crimmitschau-Bystrice und auch die Beziehung zwischen den beiden Gymnasien. Und nach dem Besuch dort sind sich alle einig, sie wird auch in Zukunft Bestand haben.

 

Schüler in Bystrice

Hier noch ein Schülerbericht:

Besuch des Gymnasiums in Bystřice

Bystřice nad Pernštejnem, bis vor einigen Monaten war dies nur ein kleines Städtchen in der Tschechei. Gut, in GRW haben wir einige Bilder gesehen, die uns auch größtenteils zu der Reise angesprochen haben, aber mehr wussten wir nicht. GoogleMaps sagte es wären rund 450km und gute 5h Fahrt, 8.600 Einwohner sagte uns Wikipedia. Der einzige Gedanke war: Das kann ja heiter werden. Doch unsere Erwartungen sollten komplett übertroffen werden.

Am 5.12. um 8 Uhr fuhren wir vom Haus Lindenstraße ab. Zuvor gab es noch einige Worte von Schulleiter Steffen Müller und die üblichen Belehrungen von Frau Müller und Frau Biedermann. Dann ging es los. Die Busfahrt war recht angenehm, zwar 7h Stunden lang, aber mit 2 kurzen Stopps an Raststätten und einem McDonalds ;) Kurz vor der Ankunft wurde die Aufregung immer größer. Was wird uns erwarten? Wie wird die Gastfamilie sein? Können alle wenigstens Englisch? Dann erreichten wir die Schule. Ein großes neueres Gebäude. 25 Schüler der 9. Klasse verließen also gegen 16 Uhr den Bus, jeder mit einer Weihnachtsmannmütze, die wir vorher bekommen haben und einem Adventskalender, den wir an unsere Gastbrüder und –schwestern übergeben sollten. Aus allen Fenstern schauten uns schon die Schüler an, wie wir Richtung Eingang liefen. Kurz davor begrüßte uns ein freudiger Schulleiter, Herr Milan Hanak, umarmte herzlich Frau Müller und Frau Biedermann und ging mit uns in das Schulgebäude in Richtung Lehrerzimmer. Dort gab es was Kleines zu essen und natürlich die Begrüßung durch Frau Pavla Filipova, eine  Deutschlehrerin der Schule. Schließlich kamen unsere Gastbrüder und Gastschwestern herein. Jeder Schüler wurde mit seinem Gastschüler vorgelesen, man begrüßte sich freudig und überreichte den mitgebrachten Adventskalender als Zeichen der Dankbarkeit. Schließlich wurde die Anzahl der Schüler immer geringer, da die meisten mit ihren Gastschüler gleich nach Hause gefahren wurden, entweder durch das Auto der Eltern oder den Bus. Zu den Gastfamilien lässt sich eigentlich nur eins sagen. Alle waren total herzlich zu uns, lasen uns jeden Wunsch von den Augen ab und sobald man was helfen wollte, wurde man lieb weggeschickt, zum Beispiel vor den Fernseher oder den Computer oder was es halt gab. Man wurde dort regelrecht verwöhnt. Alle Gasthäuser waren sehr sauber, doch was auffiel war, das zum Beispiel ein Auto einfach nur ein Auto war und kein Statussymbol für viel Geld. Manche hatten halt einfach nur ein kleines billiges, auch wenn sie sich garantiert einen Mercedes oder gar einen Porsche hätten leisten können. Und es gab viele Haustiere, meistens Katzen, welche sich natürlich auch sehr über den Besuch freuten, da es endlich mal wieder ein paar extra Streicheleinheiten für sie gab.

Der Abend wurde in den meisten Familien sehr unterschiedlich verbracht. Manche gingen in die Kneipe und tranken mit anderen Gastschüler und den deutschen Schülern eine tschechische Cola oder aßen eine Pizza, andere gingen Bowling spielen oder gar schwimmen. Es war immer unterschiedlich, auch je nach Entfernung des Schülers zur nächsten Stadt oder zu anderen Freunden. Auf alle Fälle wurde man die meiste Zeit eingeladen. Abends fuhr man dann nach Hause, unterhielt sich noch ein wenig mit der Familie, was auch immer sehr interessant war und ging dann zu Bett.

Von 8-16 Uhr wurden die Ausflüge in der Gruppe gemacht. Da ging es einmal zur bekannten Schraubenzieher und Werkzeugfirma Wera, welche ihre Produktion von Deutschland nach Bystrice verlagert hat. Ein andermal besuchten wir das Museum des berühmten Komponisten Bohuslav Martinu. Alles war sehr interessant und die meiste Zeit wurden wir auch von einer tschechischen Klasse begleitet. Nach Ankunft in Bystrice ging es dann wieder weiter mit Programm in den Gastfamilien.

Die Zeit ging leider viel zu schnell rum. Am vorletzten Tag führten die Deutschen und die Tschechen noch ihr Programm vor, was sie über das Thema „Weihnachten in Deutschland und Tschechien“ ausgearbeitet haben. Dann ging es noch was zu Mittag essen und dann begann auch schon der letzte Abend in den Gastfamilien. Die meisten von uns schauten ihren Gastschülern beim professionellen Tanzkurs zu und konnten danach noch selbst Macarena und Sirtaki mittanzen. Dann wurde der Abend in einer Kneipe bei ein oder zwei Gläsern tschechischer Cola beendet. Müde und ein wenig traurig begann man seine Sachen ein wenig zusammen zu packen und dann ins Bett zu gehen um das letzte Mal dort zu schlafen. Der letzte Tag begann mit dem langen verabschieden von den Gasteltern, jeder bedankte sich höflich für die außerordentliche Gastfreundschaft, die jeder erhalten hat und gemeinsam ging man mit seinem tschechischen Schüler in die Aula. Es wurden noch schnell die Handabdrücke mit Unterschrift an eine dafür vorgesehene Wand gemalt und dann wurde sich auch in der Aula von den Schülern und vor allem von den Lehrern verabschiedet, die natürlich auch einen sehr großen Teil zu dieser Woche beigetragen haben. Jeder war natürlich traurig und die Woche würde so schnell keiner vergessen. Und so wurde noch einmal kräftig gewunken, als der Bus schließlich gegen 9 Uhr losfuhr, in Richtung Crimmitschau, nach Hause. Aber ein jeder hatte doch ein Lächeln auf den Lippen, denn es war eine unglaublich erlebnisreiche Woche, die jeder gerne wieder erlebt möchte. Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch der Tschechen 2013 in Crimmitschau.

Von Daniel Röseler und Tim Barth

   
© Julius-Motteler-Gymnasium 2012-08/2017